Im April 2026 durfte ich während einer Uni-Exkursion zehn Tage auf der deutschen Nordseeinsel Helgoland verbringen. Was zunächst nach einem abenteuerlichen Experiment mit fragwürdigem Ausgang klang, entpuppte sich vor Ort als paradiesische Zeit auf einem wunderschönen und einzigartigem Fleckchen Erde. In der Freizeit vor und nach unseren Laborzeiten konnte ich die Facetten der Insel in ziemlich vielen Fotos festhalten, und eine Auswahl dieser Bilder möchte ich in diesem Artikel gerne zeigen.
Spätestens, als ich auf der Helgoländer Düne alleine im Sand saß und über Stunden hinweg die nur wenige Meter entfernte Kegelrobben-Kolonie beobachtete, untermalt vom gleichmäßigen Rauschen der Wellen und ohne jegliches Gespür für Zeit, wurde mir bewusst, dass diese Tage auf Deutschlands abgelegenster Nordseeinsel etwas ganz besonderes waren. Nicht nur aufgrund der vielen spannenden Exkursionsinhalte oder der geselligen Gruppe – Helgoland selbst reichte dafür schon vollkommen aus. Zehn Tag dort wirkten ungemein entschleunigend auf mich, perfekt um alles um einen herum zu vergessen und sich nur noch auf das hier und jetzt zu fokussieren. Realitätsflucht vom Feinsten.
Eine Hochseeinsel ist Helgoland zwar aus geologischer Sicht nicht (selbst wenn es noch so gerne behauptet wird), und doch habe ich mich selten zuvor so abgeschottet vom Rest der Welt gefühlt. Und selten habe ich genau das so sehr genossen wie dort. Die komplette Insel wirkt auf eine sehr beruhigende Art aus der Zeit gefallen, architektonisch irgendwann in den 1950ern bis 60ern eingefroren. Nach wenigen Tagen kennt man jeden Weg, jede Biegung und jeden Ausblick auf dem circa einen Quadratkilometer großen Eiland, was dem Ganzen einen angenehm vertrauten, fast schon heimeligen Charakter verleiht. Der Fakt, dass es hier quasi keine Autos gibt und ich tagelang keinen Motorenlärm hören musste, trug ebenfalls zu einer starken Wohlfühlatmosphäre bei.
Allzu viel zu tun gibt es auf Helgoland zugegebenermaßen nicht, aber das war auch gar nicht schlimm. Da wir sehr viel Glück mit dem Wetter hatten und meistens die Sonne schien, verbrachte ich die meisten Nachmittage und Abende entweder damit, Tölpel, Schafe, die Landschaft oder das Meer zu fotografieren, oder wir saßen in unserem Gemeinschaftsraum mit Meerblick und spielten Karten. Einen Tag verbrachten wir außerdem auf der Düne damit, am Strand zu liegen und Robben zu beobachten, was wie bereits erwähnt ebenfalls eine großartige Freizeitbeschäftigung war. Es lässt sich schon aushalten auf Helgoland.
Tatsächlich habe ich vor Beginn der Exkursion nicht erwartet, dass mir Helgoland allzu sehr gefallen würde, doch ich muss zugeben, dass ich nicht nur positiv überrascht, sondern aufrichtig begeistert war. Vielleicht noch nicht an Tag eins oder zwei, doch mit der Zeit wurde aus der Wertschätzung für diesen ungewöhnlichen Ort wesentlich mehr. Von Tag zu Tag hat es mir besser gefallen, bis irgendwann der Punkt erreicht war, an dem die Schönheit der Insel und der pausenlose Meerblick so sehr Teil des Alltags wurden, dass ich mir nicht mehr vorstellen konnte wie es wäre, nicht pausenlos rote Klippen und das Meer zu sehen (Spoiler aus der Zukunft: Es ist ernüchternd).
Helgoländer Highlights und Gründe, warum die Insel einen Besuch wert ist
Womit ich ebenfalls nicht gerechnet hätte ist, dass mich die Geschichte Helgolands so sehr faszinieren würde. Wenn man auf die Insel kommt und dort etwas Zeit verbringt, kommt man kaum drumherum, sich zu fragen, wieso die Insel heute so aussieht, wie sie aussieht. Die Antwort auf diese Frage bekamen wir im Rahmen einer Bunkerführung durch den bis heute vorhandenen Zivilschutzbunker auf sehr anschauliche Art beantwortet. Ich kann jedem Besucher der Insel nur ans Herz legen, sich die eineinhalb Stunden Zeit für diese Führung zu nehmen. Mich hat das Schicksal der Helgoländer und ihrer Insel, das uns dort in den engen Gängen tief unter der Erde erzählt wurde, jedenfalls sehr bewegt. Wie ein Spielball wechselte dieses Fleckchen Erde in der Vergangenheit zwischen den Großmächten hin und her, und wurde dabei immer wieder auf furchtbare Art und Weise für militärische Zwecke missbraucht. Auf Helgoland fühlte ich mich zuvor ungewohnt sorglos, und so weit entfernt vom Rest des Landes entstand schnell der Eindruck, dass alles andere egal ist, doch die Geschichte lehrt, dass dem nie so ist.
Um die Stimmung nicht allzu sehr herunterzuziehen, möchte ich im Folgenden außerdem von verschiedenen deutlich positiveren Aspekten sowie einigen meiner Lieblingsmomenten erzählen – vielleicht kann ich damit ja sogar die ein oder andere Person dazu inspirieren, selbst einmal nach Helgoland zu fahren.
Wie bereits erwähnt, hat man auf Helgoland an so ziemlich jedem Punkt der Insel einen konstanten Blick aufs Meer. Und mit konstant meine ich konstant. Nach der Bunkerführung haben wir innerhalb des Ortes einmal fünf Minuten lang das Meer nicht gesehen, und diese eigentlich kurze Zeitspanne hat sich sofort ungewöhnlich angefühlt. Da sich meine Laune beim Anblick großer Gewässer automatisch um einige Prozentpunkte verbessert, war Helgoland somit wie für mich gemacht.
Ebenfalls wie für mich gemacht war das Fehlen von Motorenlärm und Autos. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Wien (und allgemein Großstädte), aber die in meinen Augen viel zu sehr auf Autos fokussierte Verkehrspolitik und das an den meisten Orten durchgehende Hintergrundrauschen können mich manchmal sehr ermüden. Zehn Tage an einem (so gut wie) autofreien Ort verbringen zu dürfen war in dieser Hinsicht ein Realität gewordener Traum. Wellenrauschen, Vögel, Wind und sich unterhaltende Menschen bildeten stattdessen die helgoländer Geräuschkulisse. Man stelle sich vor, es könne überall so schön sein…
Zur Ruhe kommt hinzu, dass die Insel nachts wirklich sehr dunkel ist. Straßenlaternen gibt es nur auf einzelnen Wegen, und gerade auch innerorts sind erstaunlicherweise ein Großteil der Straßen komplett unbeleuchtet. Nur das kreisende Leuchtfeuer des helgoländer Leuchtturms, der majestätisch über der Insel thront, sowie der Vollmond sorgten für ein wenig Licht, was dem Dorf bei Nacht eine sehr eigenartige, aber irgendwie auch gemütliche Atmosphäre verlieh.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um ein paar Sätze lang vom Oberland zu schwärmen. Wer den steilen Aufstieg aus dem Unterland hinter sich gebracht hat, den erwartet dort oben eine andere Welt. Die Landschaft nimmt seltsame Formen an und erinnert stellenweise an eine Kraterlandschaft. Dies liegt daran, dass es sich um eine solche handelt – nach der großen Sprengung der Bunkeranlagen 1947 nutzten die Briten die Insel für einige Jahre als Übungsplatz der Luftwaffe. Vorbei an diesen seltsam löchrigen Schafsweiden gelangt man schließlich zum Klippenrandweg, von wo aus man einige der schönsten Anblicke der Insel genießen kann. Besonders bei Sonnenschein strahlen die Buntsandsteinklippen im schönsten Rot – der perfekte Kontrast zum Blau des Meeres, auf das man von hier hinabblicken kann. Für Naturfotografen besonders interessant dürfte die Basstölpelkolonie sein. Diese auffälligen Vögel erreichten Helgoland erst in den 1990er Jahren, doch heute dominiert ihr Anblick das Oberland. An einigen Punkten ist man nur wenige Zentimeter von den Tölpeln entfernt, ohne dass das die Tiere allzu sehr zu kümmern scheint. Während der Exkursion verbrachte ich immer wieder Zeit damit, die Basstölpel in verschiedenen Lichtstimmungen zu fotografieren, und einige meiner liebsten Bilder der Reise sind dabei entstanden.
Für einen Tag ließen wir die Bestimmungsarbeit im Labor hinter uns und fuhren mit der Fähre auf die Düne. In ungefähr fünf Minuten erreicht man die kleine sandige Nebeninsel, auf der es neben einem Flugplatz und einigen Ferienunterkünften vor allem Robben, Vögel und endlosen Sandstrand zu sehen gibt. Den Tag verbrachten wir damit, zwischen Strandhafer und Kartoffelrose umherzuwandern, im sonnigen Sand zu liegen oder Robben zu beobachten, was an keinem anderen Ort in Deutschland so einfach möglich ist. Die 30 Meter Mindestabstand, die man dabei einhalten sollte, sind auf jeden Fall mehr zum Schutz der menschlichen Besucher gedacht, denn die Fluchtdistanz der Robben wäre hier wesentlich geringer. Und als wäre das nicht genug, liegen die Tiere dort außerdem zu Hunderten in nächster Nähe am Strand. Ein perfekter und sehr erfüllender Ausflug!
Ebenfalls sehr unterhaltsam waren unsere gelegentlichen Exkursionen an den Strand. Mit Gummistiefeln, Warnwesten, Helmen und Leiter ausgestattet ging es dann – vorbei an sich amüsierenden Touristen – in den Gezeitenbereich, um dort Tiere im Sand, zwischen den Steinen oder auf Algen zu suchen. Bei fünf Grad, Wind und mit nassen Fingern nach einer Weile zwar etwas frisch, aber es war die Strapazen wert. Leider nicht für Touristen geeignet.
Allgemein waren eines meiner größten Highlights die vielen coolen Tiere, die ich im Rahmen dieser Exkursion oft zum ersten Mal in echt sehen konnte. Vor allem die vielen Krabben und anderen Zehnfußkrebse haben es mir dabei sehr angetan. Die letzten zwei Jahre habe ich im Rahmen meiner Bachelorarbeit viel mit Porzellankrabben, Springkrebsen und Einsiedlerkrebsen gearbeitet und diese dabei sehr lieb gewonnen – sie auf Helgoland im Labor nun täglich beobachten zu können, war dementsprechend ein großartiges Erlebnis.
Ein weiterer Aspekt, der mich an Helgoland fasziniert hat, war die Abhängigkeit von den Schwankungen der Natur. Es kommt regelmäßig vor, dass die Überfahrt mit dem Katamaran aus Hamburg aufgrund von zu starkem Wind nicht möglich ist, und während unseres Aufenthalts stürmte es für einige Tage sogar so sehr, dass kein einziges Schiff mehr zwischen dem Festland und Helgoland fahren konnte. Wer in diesen Tagen auf die Insel reisen oder sie wieder verlassen wollte, hatte Pech gehabt und musste warten, bis sich der Sturm gelegt hatte. In einer Welt, in der Naturgewalten eher selten darüber bestimmen, ob eine Reise möglich ist oder nicht, war die Vorstellung, vom Wind abhängig zu sein, sehr eindrucksvoll. Und wenn man sich mit der Situation einmal abgefunden hat, hatte der Sturm definitiv auch etwas Gutes, denn durch das Ausbleiben der Tagestouristen war die Insel an diesen Tagen wesentlich leerer, alles wirkte plötzlich entspannter, und ich mochte Helgoland plötzlich noch ein kleines Stückchen mehr.
Am Tag unserer Rückreise herrschten bereits wieder perfekte Bedingungen, und das Szenario, in dem wir auf Helgoland strandeten, traf zum Glück nicht ein. Der Abschied fiel schließlich extrem schwer. Die letzten zwei bis drei Tage vor Abreise wurde ich zunehmend sentimentaler, und mein letzter Spaziergang über den Klippenrandweg bei schönstem Sonnenschein fühlte sich ziemlich emotional an. Ich fragte mich, ob ich irgendwann nochmal nach Helgoland reisen würde, oder ob ich die Insel nicht lieber so in Erinnerung behalten wollen würde, wie ich sie während dieser wundervollen Zeit kennengelernt habe. Bis heute habe ich keine eindeutige Antwort auf diese hypothetische Frage, von der ich vor der Reise nicht erwartet hätte, dass sie mich überhaupt beschäftigen würde. Manchmal kommen die Dinge eben anders als gedacht.
Fotos
Am Ende der Exkursion kehrte ich mit über 7000 Fotos zurück – ich bin selbst erstaunt, wie das passieren konnte. Andererseits bietet Helgoland vor allem für Naturfotografen wirklich paradiesische Zustände, so dass ich vermutlich nicht überrascht sein sollte. Jedenfalls können sich regelmäßige Leser dieses Blogs inzwischen denken, worauf es nun hinauslaufen wird – wir haben den Punkt erreicht, an dem ich ganz zufällig gerne einige „wenige“ Bilder zeigen möchte, als wäre das nicht von Anfang an der einzige Grund gewesen, diesen Artikel überhaupt zu schreiben. Viel Spaß also mit der folgenden Best-of-Helgoland-Auswahl – ich habe versucht, mich zurückzuhalten, doch es fiel mir schwer… (Achtung, am Ende gibt es eine Bonus-Sektion!)

























































Bonus-Fotos: Eine Nacht in Hamburg
Ich liebe Hamburg. Dies konnte man ja bereits zur Genüge in diesem Artikel nachlesen. Und da Helgoland von Wien aus nicht an einem Tag zu erreichen ist, durfte ich vor der Fahrt auf die Insel unverhofft eine Nacht in der Hansestadt verbringen, was in meinen Augen jedenfalls ein guter Start war – die relative Vertrautheit der Stadt war dabei ein sehr spannender Kontrast zum metaphorischen Neuland, das wir auf Helgoland betraten.
Vor allem die plötzliche Rückkehr in das Herz einer Großstadt am Abreisetag war dabei ein faszinierender Moment – nach Stunden im Niemandsland auf Nordsee und Elbe tauchten am Horizont plötzlich Kräne und Hochhäuser auf, die immer größer wurden, bis Hamburg uns in die Realität zurückholte. Die Einfahrt in den Hamburger Hafen bei Sonnenuntergang und das Erreichen der Landungsbrücken mit Aussicht auf die glitzernden Lichter der Stadt waren für mich definitiv späte Highlights der Reise, von denen ich aber leider keine Fotos gemacht habe.
Anders sah es am Anreisetag aus. Nach fast zehn Stunden Bahnfahrt fuhren wir faszinierenderweise auf die Minute pünktlich im Hamburger Hauptbahnhof ein, so dass ich noch einige Stunden Zeit hatte, um einige meiner Lieblingsecken der Stadt bei bestem Frühlingswetter zu erkunden. Im Folgenden gibt es also noch ein paar Bonus-Fotos von blühenden Kirschbäumen, Hamburger U-Bahnzügen und den Lichtern der Großstadt.













Und damit sind wir am Ende des Artikels angelangt – das waren meine Eindrücke aus zehn Tagen Helgoland. Ich denke, ein Fazit braucht es in diesem Fall nicht mehr. Ich denke wirklich gerne an die Tage dort zurück, und bin sehr froh, dieses große Privileg gehabt zu haben.
Danke fürs Lesen! Wenn du weitere Reisefotos von mir sehen möchtest, kannst du gerne in meiner Galerie vorbeischauen:
Viele weitere Tierfotos aus meiner Zoofotografie-Zeit gibt es außerdem hier zu sehen, allerdings stammen diese Aufnahmen nicht aus freier Wildbahn:
In diesem Artikel berichte ich von meinen beiden Hamburg-Aufenthalten (mit einem Abstecher nach Lübeck) im Sommer 2025:
Weitere Reiseberichte aus Deutschland gibt es außerdem hier:

